Zwei Verfahren gegen die FIFA

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Zwei Verfahren gegen die FIFA




Lange hatten internationale High-Agenten Klagen gegen die FIFA-Reform des Reglements für Spielervermittler angekündigt, nun bestätigt der Weltverband: Zwei Verfahren laufen – in Deutschland.

Hat eine wachsende Zahl missbräuchlicher Praktiken ausgemacht: der Weltverband FIFA.

imago pictures/Sports activities Press Picture


“Da es sich um öffentliche Angelegenheiten handelt, kann die FIFA bestätigen, dass es in Deutschland zwei laufende Gerichtsverfahren in dieser Angelegenheit gibt. Im Allgemeinen kommentiert die FIFA keine laufenden Gerichtsverfahren”, teilte ein Sprecher des Verbandes auf kicker-Anfrage mit. Dessen Reformpläne sieht so mancher Berater als Kriegserklärung: Unter anderem möchte die FIFA Vermittlerprovisionen bei Transfers auf drei Prozent des Spielergehalts oder zehn Prozent der Ablösesumme deckeln.


Seit Wochen wabert in der Branche das Gerücht umher, dass die Reform wegen einer einstweiligen Verfügung auf Eis liege. Dies sei falsch, erklärte ein FIFA-Sprecher, ergänzte aber: “Zwei Versuche, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, um die FIFA an der Einführung von Regelungen zu hindern, wurden von deutschen Gerichten abgewiesen.”


Dass die juristischen Attacken gegen das verschärfte Vermittlerreglement offenbar in der Bundesrepublik stattfinden, passt zu einem weiteren Teil des Gerüchts. Demnach soll es die Agentur “Rogon” sein, die gegen die neuen Fesseln kämpft. Eine entsprechende Anfrage dazu ließ die Firma von Spielerberater Roger Wittmann unbeantwortet. Überraschend käme dies aber nicht, schließlich steckt “Rogon” mitten in einem Rechtsstreit mit dem DFB, der noch das alte Vermittlerreglement betrifft. Diese Woche steht der Berufungstermin vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/Predominant an. Es geht unter anderem darum, ob Spielerberater bei Transfers von Teenagern unter 18 Jahren Provisionen kassieren dürfen – zum Schutz der Minderjährigen besteht aktuell ein Verbot.

“Besorgniserregende Tendenzen”


“Die FIFA ist der festen Überzeugung, dass in diesem Bereich und im gesamten Transfersystem des Fußballs eine grundlegende Reform unbedingt notwendig ist. Dies hängt damit zusammen, dass die FIFA in den letzten Jahren eine Reihe von besorgniserregenden Tendenzen festgestellt hat. Insbesondere hat die FIFA eine wachsende Zahl missbräuchlicher Praktiken, weit verbreitete Interessenkonflikte und einen Markt beobachtet, der eher von Spekulationen als von Solidarität und Umverteilung innerhalb der Fußballpyramide geprägt ist”, rechtfertigt der Weltverband, der seitens der Beraterverbände EFAA (Europa) und DFVV (Deutschland) für mangelhafte Konsultation kritisiert wurde, sein Vorgehen.


Immer wieder existieren erstaunliche Allianzen zwischen Agenten und Klubs oder deren Angestellten. Viele Sachverhalte kamen beispielsweise durch die Soccer Leaks ans Tageslicht. Zuletzt hatte auch der kicker aufgedeckt, dass Dietmar Hopp, Hauptgesellschafter der TSG Hoffenheim, über ein Firmenkonstrukt an einem Klub in Brasilien beteiligt ist, der von Personen und Firmen aus dem Umfeld der Agentur “Rogon” aufgebaut wurde.


Eine Reihe von Branchengrößen wie Mino Raiola, Jonathan Barnett (ICM-Stellar) oder Jorge Mendes schloss sich im Mai 2019 im Schweizer Verein “The Soccer Discussion board” zusammen. Ein Mitglied dieser illustren Lobbygruppe bestätigt gegenüber dem kicker, dass der Verein eine Artwork kleinster gemeinsamer Nenner gegen die FIFA-Reform sei. Auch Wittmann gehört dem Vorstand des Boards an.


Die Macht der Vermittler, die Klagen der Agenten: Weitere Hintergründe lesen Sie in der aktuellen Printausgabe des kicker oder im e-Journal – etwa warum der langjährige Geschäftsführer der DFVV, Dr. Gregor Reiter, vor der Bildung von Beraterkartellen warnt.



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