Wochenduell: Die Pläne der Fifa – Braucht es eine Fussball-WM alle zwei Jahre?

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Wochenduell: Die Pläne der Fifa – Braucht es eine Fussball-WM alle zwei Jahre?



– Braucht es eine Fussball-WM alle zwei Jahre?Der Welt-Fussballverband unter Präsident Gianni Infantino hat seinen grossen Plan für die Zukunft kommuniziert. Doch es regt sich Widerstand, vor allem vonseiten der Uefa. Benjamin Schmidt, Daniel SchmidtPubliziert heute um 20:22 UhrWird der begehrteste Pokal in der Fussballwelt nicht mehr alle vier, sondern in Zukunft alle zwei Jahre vergeben?Foto: APJa. Mehr Gastgeber, mehr unterschiedliche Teilnehmer, mehr Fussballfeste. Eine WM im Zweijahresrhythmus würde für grosse Emotionen sorgenVergangenen Donnerstag liess der Direktor der Fifa für globale Fussballförderung, Arsène Wenger, die Bombe platzen: Ab 2026 soll die Weltmeisterschaft im Zweijahresrhythmus stattfinden. Kritik aus verschiedenen Lagern des Weltfussballs folgte sogleich. Der Präsident der Uefa, Aleksander Ceferin, drohte gar mit einem Boykott der europäischen Nationalmannschaften. Was zunächst wie ein Affront gegenüber anderen Nationenwettbewerben wie der Euro oder der südamerikanischen Copa América wirkt und darüber hinaus den bereits prall gefüllten Fussballkalender weiter aufzublähen droht, ist bei genauerer Betrachtungsweise doch sinnvoller, als man denkt. Die WM alle zwei Jahre abzuhalten, hat nämlich durchaus Vorteile, da die Fifa durch eine häufigere Austragung in verschiedenen Bereichen mehr Chancen verteilt. Angefangen bei den Gastgeberländern: Gibt es mehr Weltmeisterschaften, so steigt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Austragungskandidaten auf eine erfolgreiche Bewerbung. Und selbst wenn eine Kandidatur nicht von Erfolg gekrönt ist, bietet sich schnell wieder die Gelegenheit für einen weiteren Versuch. Hält die Fifa überdies an ihrem Rotationssystem bei der Vergabe fest, erhalten die jeweiligen Konföderationen rascher die Probability, eine Weltmeisterschaft erneut auf ihrem Kontinent auszurichten, ohne mehrere Jahre warten zu müssen. Wie beispielsweise Asien, das nach geschlagenen 20 Jahren Wartezeit im nächsten Jahr mit Katar den nächsten WM-Gastgeber stellt. Auch für die Spieler und die Nationen, für die sie im Einsatz stehen, ist ein Zweijahresrhythmus bei Weltmeisterschaften reizvoll: Sie erhalten einerseits mehr Gelegenheiten, an einer WM teilzunehmen, andererseits erhöhen sich ihre Chancen, Weltmeister zu werden. Wenn man bedenkt, dass es für einen professionellen Fussballer das Grösste sein muss, einmal in seiner Karriere an einer WM spielen zu dürfen, so ist es schade, dass es vielen entweder gar nicht vergönnt ist oder oftmals nur wenige Male. Dies gilt insbesondere für Spieler der kleineren und schwächeren Fussballverbände, denen durch diese einschneidende Regeländerung eine grössere Aussicht auf eine Qualifikation gewährt wird. Aus Fan-Sicht wäre dieser Wechsel insofern interessant, als jeden Sommer ein Fussballfest steigen würde. Finden die Weltmeisterschaft und die Konföderationen-Wettbewerbe alternierend statt, herrscht jährlich eine allgemeine Feierlaune, die das Fussballerherz höherschlagen lässt, und es finden bei bestem Wetter Public Viewings statt, wo man mit seiner Lieblingsmannschaft mitfiebert. Eine äusserst romantische Vorstellung für die Zukunft, vor allem hinsichtlich der Winter-WM im nächsten Jahr, bei der man die Spiele entweder im warmen Wohnzimmer oder am Weihnachtsmarkt mit einem Glühwein in der Hand verfolgen muss. Daniel Schmidt Nein: Der Fussball ist bereits jetzt inflationär vertreten. Mit diesem Entscheid würde der wichtigste Wettbewerb enorm an Strahlkraft verlierenDie Fussball-Weltmeisterschaft alle zwei Jahre auszutragen, macht wenig Sinn. Oder um es in den Worten von Rudi Völler zu sagen: «Das ist eine Schnapsidee.» Der Fussball droht inflationär zu werden, ist bereits jetzt im Überangebot vorhanden. Mehr ist nicht immer automatisch besser!Für die afrikanischen und asiatischen Nationen, wo die kontinentalen Meisterschaften weniger Geld abwerfen als die Teilnahme an der Weltmeisterschaft, magazine sich das Vorhaben der Fifa um Präsident Gianni Infantino zumindest finanziell lohnen. Für europäische Verbände jedoch sind die Prämien der Europameisterschaft sogar lukrativer als die für WM-Spiele. Die Uefa fürchtet zudem eine Abwertung des eigenen Wettbewerbs, auf die Nations League müsste wohl ganz verzichtet werden. So stellt sich der europäische Fussballverband dem Projekt entgegen, auch die Vertreter aus Südamerika fürchten um den Standing ihrer Copa América und sind daher dagegen. Gemäss Uefa-Präsident Aleksander Ceferin können die Verbände auch entscheiden, nicht mehr teilzunehmen. Eine WM ohne europäische und südamerikanische Vertreter? Das will nun wirklich keiner. Dass sich die Fifa um einen vermeintlichen Wertverlust der Europameisterschaft wenig schert, überrascht kaum. Was sie jedoch nicht kapiert, ist, dass sie durch ihre Imaginative and prescient auch beim eigenen Turnier Abschreibungen wird vornehmen müssen. Ideell verliert die Weltmeisterschaft durch eine zu hohe Kadenz enorm an Wert. Sich WM-Spiele anzuschauen, battle auch aufgrund der langen Wartezeit auf das Turnier immer etwas Besonderes. Der Vierjahresrhythmus ist Custom. Mit dieser kann man nicht einfach so brechen. Die Bedeutung des jetzt noch wichtigsten Fussballturniers der Welt würde sinken, ebenso wie seine Einschaltquoten.Auf der Strecke und ungefragt bleiben bei solchen Fragen die Vertreter des nationalen Vereinsfussballs, die dazu verpflichtet sind, ihre teuren Akteure für Länderspiele zur Verfügung zu stellen. Der Fussballkalender ist ohnehin schon aufgeblasen wie noch nie, Coach und Funktionäre sorgen sich um die Gesundheit ihrer Spieler. Noch mehr Länderspiele, und die Wichtigkeit des Vereinsfussballs rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Dabei wollte Infantino doch genau deswegen seine Membership-WM von 7 auf 24 Teilnehmer aufblasen. Wird jeden zweiten Sommer die Weltmeisterschaft stattfinden, kann er das vergessen. Wobei böse Zungen ja behaupten, dass er die Strategie für die häufigere Austragung der WM nur deshalb so energisch vorantreibt, um eine bessere Verhandlungsposition für sein Membership-WM-Projekt zu erhalten. Hoffen wir, dass dem so ist. Benjamin Schmidt* Das Wochenduell: Die «Basler Zeitung» stellt sich ab sofort in regelmässigem Abstand Themen, die die Sportwelt bewegen – und beleuchtet dabei in einem Professional und Kontra beide Seiten. Zuletzt erschienen: Hat SRF das Tennis zu früh abgeschrieben?Conflict das der verrückteste Transfersommer in der Geschichte?Ist die Zeit der internationalen Schweizer Sportstars vorbei?Xhaka und Arsenal – wird diese Ehe doch noch glücklich?Publiziert heute um 20:22 UhrFehler gefunden?Jetzt melden.



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