TV-Present in den USA: Viel performativer kann Aktivismus nicht sein – WELT

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TV-Present in den USA: Viel performativer kann Aktivismus nicht sein – WELT



Meinung TV-Present in den USA Viel performativer kann Aktivismus nicht sein Stand: 12.09.2021| Lesedauer: 3 Minuten Priyanka Chopra Jonas und Usher, zwei der Juroren von „The Activist“ Quelle: Getty Photographs/Dimitrios Kambouris Der US-Sender CBS will eine Castingshow für Aktivisten produzieren. Sechs Frauen und Männer sollen darum wetteifern, wer besser die Welt verbessert. In der Jury sitzen Menschen, die kaum unpassender sein könnten. Ist das Satire? Womit kann man dieser Tage eigentlich mehr Likes bei Instagram einsammeln – Antirassismus oder Wahlwerbung für die Grünen? Social-Media-Aktivismus nennt sich das, wenn junge Menschen zu politisch relevanten Themen twittern und posten, wenn sie mit schönen Bildern, harten Bildern und vielen Ausrufezeichen etwas „bewegen“ wollen. Wie das genau funktionieren soll, so ganz ohne reales Äquivalent zur On-line-Meinungsmache, das beschäftigt den einen oder anderen der sich eifrig und zu jeder Kleinigkeit Mitteilenden mittlerweile selbst. Aber es geht offenbar noch performativer. In den USA soll demnächst eine Castingshow starten. Nein, nicht für Sängerinnen und Sänger, auch nicht für „Supertalente“ – sondern für Aktivisten. Menschen mit einer Agenda additionally, die die Welt gern etwas besser machen würden. Sechs von ihnen möchte der Sender CBS zusammen mit der Organisation International Citizen und der Veranstaltungsagentur Stay Nation gegeneinander antreten lassen. Wer setzt sich effektiver für die Umwelt, eine Reformierung des Gesundheitssystems oder in Bildungsfragen ein? Auch sie ist Instagram-Aktivistin Darüber urteilen sollen nicht etwa Experten aus den jeweiligen Gebieten, sondern der Popstar Usher sowie die Schauspielerinnen Priyanka Chopra Jonas und Michelle Hough. Zumindest letztere erscheint vielen eine zweifelhafte Wahl, betrieb sie zu Halloween schließlich schon einmal „Blackfacing“, verkleidete sich additionally als Schwarzer Mensch inklusive Gesichtsbemalung. Das ist kein Fauxpas, das ist ein Ausschlusskriterium aus der woken Gemeinschaft, zumindest in den USA (Thomas Gottschalk wird hierzulande für ähnliche Kostümeskapaden bisher kaum abgestraft). Erwartbar ist deshalb der schiere Unglauben über das TV-Vorhaben, das sich bei Twitter äußert. „Niemand hat nach so was verlangt“, lautet die nahezu einhellige Meinung dort. Die Antirassistin und ehemalige Kandidatin für den Kongress in Georgia, Nabilah Islam, schrieb: „Es ist so schon schwer genug, sich für etwas einzusetzen, da muss man nicht noch zusätzlich singen und tanzen für eine Reihe von Millionären, die darüber entscheiden, wer ein paar Krümel von ihnen bekommt.“ Denn auch das wird kritisiert: Wieso sollen Superreiche wie Usher darüber entscheiden, welche Ziele sinnvoll, welcher Wandel am nötigsten ist? Sie selbst sind wohl von keinem der Themen betroffen, um die es den Teilnehmern der Present geht. Zieht das die guten Absichten ins Lächerliche? Und die Aktivisten, die teilnehmen werden? Über sie ist bisher nichts bekannt. Man darf sich aber zumindest fragen, ob ihr Auftritt in einer Castingshow den Problemen, die sie beseitigen wollen, zu mehr Aufmerksamkeit verhilft – oder sie im Kontext der Unterhaltungssendung nicht vielmehr ins Lächerliche zieht. Klar, jeder Kanzlerinnenkandidat weiß, wie wichtig die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist und Fernsehen garantiert ein Millionenpublikum, in den USA vielleicht noch mehr. Doch die Nähe zum puren Leisure könnte den Protagonisten von „The Activist“ – so der Arbeitstitel der Present – zum Verhängnis werden. Denn schon jetzt, da immer mehr Aktivisten ihre Bemühungen zumindest auf Twitter und Instagram massentauglich durchexerzieren, regt sich beim Betrachter oft dieselbe Frage: Meinen die das ernst? Oder geht es hier um Likes? Zumal eines außer Frage steht: Weder mit einem Tweet noch mit einem Instagram-Beitrag kann man Rassismus oder den Klimawandel aus der Welt schaffen. Wieso sollte eine Fernsehsendung additionally mehr vermögen?



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